Aktuelle Meldungen aus dem Unterbezirk

Zusammenarbeit ergebnisoffen prüfen – Erreichtes nicht leichtfertig aufs Spiel setzen

SPD Hessen - 28.02. 2019

Der Hessische Landtag hat heute über die Zusammenarbeit des Landes Hessen mit dem türkischen Moscheeverband Ditib beim islamischen Religionsunterricht an den Schulen des Landes diskutiert.

In der Plenardebatte sagte der SPD-Abgeordnete Frank-Tilo Becher am Donnerstag in Wiesbaden:

„Wir erwarten die ergebnisoffene Prüfung und eine transparente Entscheidung des Kultusministers. Dafür wird es hilfreich sein, miteinander statt übereinander zu reden.

Wir wollen, dass für alle Glaubensrichtungen, die an einer Schule in ausreichender Zahl vertreten sind, Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht angeboten wird, so wie es bereits beim katholischen und evangelischen Religionsunterricht der Fall ist. Dazu gehört vielerorts der islamische Religionsunterricht. Das ist bedeutsam für die Integration. Der konfessionelle Islamunterricht ist hilfreich für die Akzeptanz bei den Eltern. Vor diesem Hintergrund ist bedeutsam, dass mit dem bekenntnisorientierten Islamunterricht durch staatliche Lehrkräfte in Partnerschaft mit Ditib und Ahmadiyya in Hessen etwas gelungen ist, das in der Vergangenheit breite Zustimmung und fachliche Anerkennung fand. Auch in der aktuellen Begutachtung von Ditib wird diese entwickelte Praxis nicht beanstandet. Das sollte bei der Abwägung, ob eine Beendigung der Zusammenarbeit mit Ditib jetzt der richtige Schritt ist, berücksichtigt werden. Das Erreichte sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Eine wirkliche Alternative drängt sich nicht auf.

Umso mehr gilt es, die entstandenen Zweifel, ob die notwendige politische Unabhängigkeit von der Türkei gewährleistet ist, ernst zu nehmen. Vor dem Hintergrund der politischen Situation in der Türkei und Repressalien für Oppositionelle, die bis nach Deutschland reichen, kommt einer organisatorischen Unabhängigkeit größte Bedeutung zu. Daher war die Prüfung von Ditib-Hessen durch das Kultusministerium in einem geordneten Verfahren geboten. Die daraus erwachsenen Auflagen können helfen, notwendige Klärungen in der Bildungspartnerschaft herbei zu führen.

Wir bauen darauf, dass Ditib-Hessen die noch ausstehenden Veränderungen vornimmt.“

Landesregierung muss Landesaktionsplan anpassen

SPD Hessen - 28.02. 2019

Im Rahmen der Plenardebatte zum Landesaktionsplan zur Bekämpfung häuslicher Gewalt sagte die stellvertretende Vorsitzende und sozial- und frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Lisa Gnadl, am Donnerstag in Wiesbaden:

„Es ist dringend erforderlich, dass der Landesaktionsplan zur Bekämpfung häuslicher Gewalt vor dem Hintergrund der Istanbul-Konvention umfassend und an internationale Standards angepasst wird, wie es viele andere Bundesländer bereits vorgemacht haben. Zudem ist insbesondere die prekäre Situation der Frauenhäuser in Hessen so nicht mehr hinnehmbar. Bereits im September 2017 hat die Frauenhauskoordinierung e.V. in einem offenen Brief die dramatische Situation in Deutschland geschildert. Demnach herrscht vielerorts faktisch ein Aufnahmestopp in den Frauenhäusern. Eine Frau innerhalb Hessens zu vermitteln ist demnach nicht möglich. Für die Frauen und Kinder ist das eine Katastrophe und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Frauenhäusern eine große psychische Belastung. Es ist daher wichtig und richtig, dass Bundesfrauenministerin Giffey angekündigt hat, die Anzahl der Frauenhäuser mit Hilfe von Bundesmitteln auszubauen. Ein Förderprogramm zum Ausbau der Strukturen in dem Bereich wird in diesem Jahr starten. Wir erwarten allerdings auch, dass die Hessische Landesregierung sich nicht darauf ausruht, sondern landespolitisch Verbesserungen in Sinne der betroffenen Frauen vorantreibt.“

Erneuerbare Energien sind mittelständisch, kostengünstig und schaffen Arbeitsplätze

SPD Hessen - 28.02. 2019

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Stephan Grüger, forderte die FDP auf, „den wirtschafts- und mittelstandsfeindlichen Don-Quixote-Kampf gegen Windmühlen“ zu beenden.

Im Rahmen der Debatte zu dem FDP-Antrag „Energiepolitik neu denken“ sagte Grüger am Donnerstag in Wiesbaden: „Die meisten Erneuerbare-Energien-Anlage werden von mittelständischen Unternehmen produziert und auch betrieben. Die FDP kämpft mit dem Kampf gegen Erneuerbare Energien auch gegen die vielen Arbeitsplätze, die inzwischen rund um die Erneuerbaren Energien entstanden sind. Der Kampf gegen die Windkraft ist aber auch verbraucherfeindlich, da die Windkraft inzwischen die günstigste Form der Energiegewinnung ist.“

Der schwarzgrünen Koalition kreidete Grüger an, dass in ihrem „Dringlichen Antrag“, den sie kurzfristig nachgereicht hatte, kein Wort zu den Konflikten um die Teilregionalplan Energie der Regionalversammlung Südhessen zu lesen sei. „Die FDP hat in ihrem Antrag das Thema angesprochen, da wäre es als Regierungskoalition schon angemessen gewesen, hierzu Stellung zu nehmen und einmal zu erklären, wie es zu den massiven regionalen Unterschieden bei der Ausweisung von möglichen Windkraftstandorten gekommen ist“, unterstrich Grüger, der selbst Mitglied der Regionalversammlung Mittelhessen ist.

Grüger lud den Fraktionsvorsitzenden der FDP, Rene Rock in seinen Garten im Westerwald ein. „Dort können sie sich ein Bild davon machen, dass es keine „Belastung“ ist, 400 Meter von mehreren Windkraftanlagen entfernt zu wohnen und gleichzeitig kann ich Ihnen dann noch mal in Ruhe erklären, warum die falschen Verknüpfung von Fakten keine Fakten, sondern Märchen ergeben.“ Stephan Grüger war vor seiner Wahl in den Hessischen Landtag langjährig in der Energiewirtschaft tätig.

Eine AzubiCard alleine reicht nicht aus

SPD Hessen - 28.02. 2019

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Tobias Eckert, forderte neben der „AzubiCard“ weitere Maßnahmen zur Aufwertung der Ausbildung.

Im Rahmen der Aktuellen Stunde von Bündnis 90/Die Grünen zur sogenannten AzubiCard sagte Eckert am Donnerstag in Wiesbaden: „Wir bedanken uns bei den Kammern, die mit dieser Initiative für die duale Ausbildung werben. Wir fordern aber mehr als nur eine AzubiCard. Wer A wie Ausbildung sagt, muss auch B wie Bezahlung sagen. Wir wollen eine echte Aufwertung der Ausbildung und fordern deshalb eine Mindestausbildungsvergütung, die der Position des DGBs entspricht. Der Vorschlag von CDU-Bildungsministerin Anja Karliczek reicht hier bei Weitem nicht aus.“

Darüber hinaus forderte Eckert, dass an Schulen verstärkt die Perspektiven einer dualen Ausbildung vermitteln werden, um so Schülerinnen und Schülern bei der Berufsorientierung zu unterstützen. „Um eine gut überlegte Berufswahl zu treffen, helfen handwerkliches Arbeiten in der Grundschule und eine frühzeitige Förderung von Kindern und Jugendlichen in den mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fächern. Dies an Schulen anzubieten, streben wir an. Auch die Information über die duale Ausbildung sollte als Teil der beruflichen Orientierung, Kompetenzfeststellungen sowie der individuellen Beratungen als Grundlage für die Berufswahlprozesse an allen weiterführenden Schulen stattfinden. Wir wollen die Berufsorientierung mit Pflichtstunden unterlegen und ihr genügend Zeit und Raum in allen Schulformen gewähren“, so Eckert. Er forderte zudem, dass Berufsschulen in der Fläche erhalten bleiben müssten. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf für die Landesregierung. Diese müsse jetzt liefern, damit dem Fachkräftemangel an Berufsschulen begegnet werden könne.

Hessen braucht einen „Masterplan Digitalisierung“ für Schulen

SPD Hessen - 28.02. 2019

„Dank der Grundgesetzänderung ist endlich der Weg frei für den seit langem angekündigten Digitalpakt Schule und die damit verbundene Finanzspritze des Bundes. Die hessischen Schulen brauchen dringend eine solide und moderne digitale Infrastruktur und professionellen IT-Support“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Bijan Kaffenberger heute in der Aktuellen Stunde des Hessischen Landtags.

Kaffenberger betonte, dass die rund 375 Millionen Euro, die in den nächsten fünf Jahren nach Hessen fließen, nicht Teil der bereits im Koalitionsvertrag enthaltenen Mittel für Digitalisierung sein dürfen. Noch völlig offen sei, wie die Landesregierung die zusätzlichen Bundesmittel verwenden wolle. Neben der digitalen Ausstattung der Schulen, die noch völlig unzureichend sei, seien Investitionen in Glasfaserleitungen und die Anbindung der Schulen an schnelles Internet erforderlich.

Digitale Infrastruktur sei aber nur ein Teil der Digitalisierung. „Laptops allein schaffen keine Medienkompetenz und ersetzen keine Lehrkräfte. Deshalb muss dringend die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte angepasst werden. Wir brauchen digitale Pädagogik, Didaktik und Lehrkräfte, die vermitteln können. Das alles muss ineinandergreifen“, so Kaffenberger.

Die schwarz-grüne Landesregierung habe nicht nur die Ausstattung der Schulen verschlafen, sondern auch versäumt die notwendigen Vorrausetzungen zu schaffen. Er warnte davor, dass die derzeitige Infrastruktur zu einer digitalen Spaltung bei den Kompetenzen junger Menschen führen könne. Vielfach fänden an Schulen lediglich Programmier-AGs statt. Oft nur auf Initiative einzelner Lehrkräfte oder Elternteile. Viele solcher Angebote fänden nämlich häufig nur an Schulen statt, in denen Lehrkräfte nicht bereits durch zu große Klassen, Personalmangel und ein schwieriges soziales Umfeld überlastet sind. Außerdem gäbe es dort oft auch Eltern, die Zeit und die Qualifikation haben, mit ihrem Engagement Projektarbeit zu ermöglichen.

Die SPD setze sich dafür ein, dass jedes Kind es schaffe, einen Platz in der digitalen Gesellschaft zu finden und deren Herausforderungen zu meistern. Bildung müsse neu gedacht werden. „Es geht um unsere Zukunft: Jetzt werden jene Menschen in unseren Schulen ausgebildet, die die Zukunft Hessens gestalten. Daher brauchen wir dringend einen Masterplan für die Digitalisierung in Schule und Unterricht, eine Unterrichtsdidaktik und ein Landesmedienkonzept.“

Humanität muss Richtschnur staatlichen Handelns bei Abschiebungen sein

SPD Hessen - 28.02. 2019

In der Aktuellen Stunde der Fraktion Die Linke mit dem Titel „Unmenschliche Abschiebepraxis in Hessen beenden“ forderte die SPD-Landtagsabgeordnete Regine Müller Humanität als Richtschnur staatlichen Handelns bei Abschiebungen.

Müller sagte in der Plenardebatte am Donnerstag in Wiesbaden: „Es darf nicht darum gehen, für Statistiken möglichst hohe Abschiebezahlen zu produzieren. Verbriefte Schutzrechte müssen für alle Personenkreise gelten. Sie sind unteilbar. Im Januar dieses Jahres fand ein Abschiebeversuch einer algerischen Familie statt. In der Familie leben zwei kleine Kinder, zwei und vier Jahre alt, ihre Mutter ist hochschwanger. Bei dem Abschiebeversuch hätten Einsatzkräfte der Polizei die Familie, inklusive der Kleinkinder und der schwangeren Frau, unsanft aus der Wohnung und zum Frankfurter Flughafen gebracht. Und dies, obwohl die Schwangerschaft der Frau ärztlicherseits als Risikoschwangerschaft eingestuft und eine Reisefähigkeit verneint wird. Schließlich verweigerte der Flugkapitän den Transport der Familie, weil er die ärztliche Versorgung der Frau auf dem Flug für nicht gesichert hielt.“

Dieser Abschiebeversuch, so Müller, zeige eines mustergültig auf: „Es braucht Augenmaß und eine wirkliche Betrachtung des Einzelfalls – nicht nur in Sonntagsreden, sondern in der täglichen Praxis. Das gebietet die Rücksichtnahme auf schutzwürdige Personen und nicht zuletzt die Humanität, auf die staatliches Handeln verpflichtet ist. Nichts weniger muss die schwarz-grüne Landesregierung garantieren.“

Polizeieinsatz vor Europa-League-Spiel war unangemessen

SPD Hessen - 28.02. 2019

Der Hessische Landtag hat heute über den Polizeieinsatz vor dem Europa-League-Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Schachtar Donezk debattiert. Dabei erneuerte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Günter Rudolph, die Kritik an Innenminister Peter Beuth.

Rudolph sagte, dass der Einsatz im Stadion überdimensioniert und unangemessen gewesen sei. Aus nebulösen Interviewäußerungen von Eintracht-Präsident Peter Fischer im Vorfeld des Spiels eine drohende Gefahr für Leib und Leben der Zuschauer abzuleiten, sei „eine erhebliche Überreaktion“ der Verantwortlichen gewesen – zumal Fischer seine missverständlichen Äußerungen einen Tag später zurechtgerückt habe.

„Der Minister sagt trotzdem, Peter Fischers Interview sei der Anlass für die Polizeiaktion gewesen. Dann muss er auch belegen, welche konkret absehbare Gefahr durch dieses Interview entstanden sein soll – vor allem weil in dem Durchsuchungsbeschluss für die Nordwestkurve davon keine Rede ist. Stattdessen beruft man sich dort auf Hinweise von szenekundigen Beamten der Polizei. Schon diese Unstimmigkeit weist darauf hin, dass es hier nicht um Pyrotechnik ging, sondern um die persönliche Befindlichkeit des Ministers, der bekanntermaßen ein schwieriges Verhältnis zum Verein und zu dessen Präsidenten hat“, so Rudolph.

Die Aufgabe des Innenministers wäre es gewesen, die Situation zu beruhigen. Niemand hätte ihn davon abgehalten, zum Telefon zu greifen und mit den Eintracht-Verantwortlichen zu sprechen, sagte Rudolph. Stattdessen habe der Minister zugelassen, dass die Lage eskaliere.

„Sie wollen sich als harter Hund im Kampf gegen Pyrotechnik in den Fußballstadien profilieren, Herr Minister. Dabei hätten Sie in Ihrem Zuständigkeitsbereich weiß Gott andere und wichtiger Probleme zu lösen. Ich erinnere da nur an die Meldungen über rechtsradikale Umtriebe in Teilen der hessischen Polizei, die dringend aufgeklärt werden müssten. Hierfür sollte der Minister seine Kraft und Energie einsetzen“,  sagte Günter Rudolph.

Dummer Fehler oder politisches Statement?

SPD Hessen - 27.02. 2019

Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Nancy Faeser, erwartet von Innenminister Peter Beuth (CDU) umfassende Informationen über die Ermittlungen wegen der kopfstehenden Flaggen vor dem Polizeirevier in Schlüchtern. Dort waren am 27. Januar, also am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, die Bundes- und die Hessenflagge falsch herum aufgezogen worden und wehten über mehrere Stunden so an den Fahnenmasten.

Faeser sagte dazu am Mittwoch in Wiesbaden: „Vor einigen Jahren hätte man noch davon ausgehen können, dass da eben jemand beim Hissen der Flaggen nicht aufgepasst hat. Aber seit Reichsbürger und andere Verfassungsfeinde die kopfstehende Flagge als Zeichen ihrer politischen Haltung verwenden, muss man da genauer hinschauen und die Hintergründe ausermitteln. Dass die falsche Beflaggung am Polizeirevier in Schlüchtern ausgerechnet am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erfolgte, legt jedenfalls nahe, dass wir es hier mit mehr als einem dummen Versehen zu tun haben. Das scheint man auch in der Polizeiführung so zu sehen, sonst wären die Beamten, die an diesem Tag in Schlüchtern Dienst taten, nicht sofort versetzt und wäre nicht der Staatsschutz mit Ermittlungen beauftragt worden. Ärgerlich ist wieder einmal die Informationspolitik des Innenministers: Angesichts der schon länger bekannten Verdachtsmomente auf rechtsextreme Umtriebe in einzelnen Bereichen der hessischen Polizei wäre es durchaus angemessen gewesen, wenn der Minister wenigstens den Innenausschuss des Landtags zeitnah über den Vorfall in Schlüchtern und die Einschaltung des Staatsschutzes unterrichtet hätte. Es ist überaus misslich, dass wir stattdessen schon wieder aus der Zeitung von dem Vorgang erfahren müssen. Ich erwarte vom Innenminister, dass er die nächste Sitzung des Innenausschusses für einen umfassenden Bericht über die Sache nutzt. Und ich wiederhole noch einmal, dass Minister Beuth an seiner Kommunikation mit dem Parlament arbeiten muss. Ihm fehlt offensichtlich das Gespür dafür, wann er von sich aus auf den Innenausschuss zugehen und über wesentliche Vorgänge in seinem Geschäftsbereich informieren muss.“

Wohnraum schützen und Zweckentfremdung verbieten

SPD Hessen - 27.02. 2019

In Erster Lesung hat heute der Hessische Landtag den Gesetzentwurf der SPD für ein Wohnraumschutzgesetz, welches verschiedenen Zweckentfremdungstatbeständen von Wohnraum vorbeugen soll, diskutiert. Die wohnungsbaupolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Elke Barth, mahnte angesichts des angespannten Wohnungsmarktes in Hessen zur Eile.

Barth sagte am Mittwoch in Wiesbaden: „Wir wollen jetzt handeln, denn die Zeit drängt. Überall dort, wo auch die Mietpreisbremse gilt, also in Gebieten mit einem angespannten Wohnungsmarkt, sollen die Gemeinden wieder Satzungen erlassen, die sie verpflichten genauer hinzuschauen, wenn Wohnraum dem Markt entzogen wird. Dies betrifft die Umwandlung von Wohnimmobilien in Gewerbeimmobilien, längere Leerstände mit dem Ziel von Immobilienspekulationen und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.“

Das Zweckentfremdungsverbot sei 2004 in Hessen unter der Regierung Koch abgeschafft worden. Seitdem habe sich die Situation auf dem hessischen Wohnungsmarkt entscheidend verschärft. So sei es nicht gelungen, durch verstärkte Bautätigkeit oder andere wohnungspolitische Maßnahmen dem Anstieg der Mieten wesentlich entgegenzuwirken. Auch seien in bestimmten Lagen immer häufiger spekulative Leerstände zu verzeichnen. „Wenn auf der einen Seite händeringend Wohnraum benötigt wird und dieser durch den engen Markt immer teurer wird, ist es auf der anderen Seite schlicht nicht hinnehmbar, wenn in unseren Städten Immobilien mit dem Ziel der Spekulation leerstehen. Auch für die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumsimmobilien sollten die betroffenen Städte einen Genehmigungsvorbehalt erhalten“, so Barth.

Hinzu komme, dass durch die Verlagerung von Instituten des Finanzmarkts aus London die Situation auf dem Gewerbeimmobilienmarkt im Rhein-Main Gebiet bereits erheblich angezogen habe,  was sich in der Zukunft nach Meinung von Fachleuten aus der Branche  weiter fortsetzen werde.

Andere Bundesländer hätten gute Erfahrungen mit Zweckentfremdungsverboten. So gehe die Stadt Hamburg seit einigen Jahren verstärkt gegen Leerstände vor und habe so allein im Jahr 2017 190 leerstehende Wohnungen wieder ihrer Bestimmung zuführen können. Auch in Bayern oder Bremen gebe es entsprechende Gesetze.

„Wir müssen jetzt kraftvolle Maßnahmen für einen wohnungspolitischen Kurswechsel ergreifen, damit in unserem Städten endlich wieder eine erträgliche Situation auf dem Wohnungsmarkt eintritt“, sagte Elke Barth.

Wir gestalten die soziale Sicherheit der Zukunft

SPD Hessen - 27.02. 2019

Auf Antrag der SPD-Fraktion hat der Hessische Landtag heute über das sozialdemokratische Konzept für eine Reform des Sozialstaates debattiert. In der Diskussion erläuterte die sozialpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Lisa Gnadl die Vorschläge ihrer Partei und forderte die anderen Fraktionen auf, sich seriös mit dem Reformkonzept auseinanderzusetzen.

Die von der SPD geforderte Respektrente sei ein überfälliger Beitrag zur Absicherung von Arbeitnehmern im Alter, so Gnadl. Sie sagte: „Frauen und Männer, die 35 Jahre oder länger Beiträge zur Rentenversicherung geleistet haben, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, müssen sich darauf verlassen können, dass sie im Ruhestand nicht auch noch zum Amt gehen müssen, um die Rente aufzustocken. Dass es heute überhaupt möglich ist, nach so vielen Beitragsjahren in die Altersarmut zu fallen, ist ein Resultat von zu niedrigen Löhnen für zu viele Menschen. Deshalb fordern wir auch, den Mindestlohn auf zwölf Euro pro Stunde anzuheben – denn wer weniger als diese zwölf Euro verdient, der muss am Ende seines Arbeitslebens zwangsläufig aufstocken. Das kann jeder relativ einfach ausrechnen.“

Der Sozialstaat müsse wieder zum Partner der Menschen werden und auf Augenhöhe mit denen agieren, die seine Hilfe benötigten, so Gnadl. In Zukunft müsse die vom Staat angebotene Unterstützung mehr sein als das Auszahlen von Geld. Vielmehr gehöre zu einem belastbaren sozialen Netz aus sozialdemokratischer Sicht auch staatliche Hilfe bei der Anpassung der Arbeitswelt an die großen Veränderungen durch die Digitalisierung.

Lisa Gnadl sagte: „Die SPD fordert ein Recht auf Weiterbildung und eine gesetzliche Qualifizierungsgarantie, weil wir eben Arbeitsplätze sichern und nicht Arbeitslosigkeit versichern wollen. Ein zugewandter Sozialstaat bietet Unterstützung an, bevor überhaupt eine Notlage eintritt.“ Dazu gehörten neben der Respektrente und der Qualifizierungsgarantie auch eine bessere, eigenständige Absicherung von Kindern sowie das neue Bürgergeld anstelle des „Hartz IV“ genannten Systems.

Die von der SPD geforderten Reformen seien zudem solide finanziert, sagte Lisa Gnadl, die erforderlichen Haushaltsmittel seien langfristig vorhanden. „Die Respektrente, wie wir sie vorschlagen, wird rund fünf Milliarden Euro im Jahr kosten – und die CDU findet das unbezahlbar. Im gleichen Atemzug aber verlangt dieselbe CDU, den Solidaritätszuschlag auch für die bestverdienenden zehn Prozent in Deutschland abzuschaffen, was elf Milliarden im Jahr kosten würde. Wir stehen deswegen vor einer grundsätzlichen Entscheidung: Stärken wir mit einem namhaften Betrag die soziale Absicherung der Vielen – oder machen wir den Wenigen ein doppelt so teures Steuergeschenk? Die SPD jedenfalls weiß, was zu tun ist. Wir wollen in einen zugewandten, leistungsfähigen und solidarischen Sozialstaat investieren. Denn nur dann werden die Menschen wieder vertrauen, nur dann lässt sich unsere Gesellschaft zusammenhalten“, sagte Lisa Gnadl.

 

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