Heidt-Sommer und Becher: Schulen brauchen Sicherheit und Verlässlichkeit statt Eile

In einer aktuellen Pressemitteilung kritisieren die Gießener SPD-Stadtverbandsvorsitzende Nina Heidt-Sommer und der SPD-Unterbezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher das Corona-Krisen-Management der Landesregierung. Die Landesregierung habe die Schulen und Schulträger auf den Wiedereinstieg in den Schulbetrieb schlecht vorbereitet. "Die eine Woche, die das Kultusministerium sich selbst und den Schulträgern nach den Osterferien gelassen hat, um alles das zu regeln, was für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs unabdingbar ist, hat offenbar nicht gereicht. Nicht alles ist hinreichend geklärt. Das Kultusministerium verstolpert den Schulbeginn und die Schulträger, der Lehrkörper, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler müssen es ausbaden", erklärt dazu Nina Heidt-Sommer.

Die vorerst letzte Bestätigung für die mangelhafte Vorbereitung durch die Landesregierung sei das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel vom Freitag. Dieser hat die Schulpflicht für alle Viertklässler, die an diesem Montag wieder in Kraft gesetzt werden sollte, gekippt. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler würden ohne jeden Grund anders behandelt als der Rest der Schülerschaft. "Die Eltern sämtlicher Viertklässler in Hessen hatten sich darauf verlassen, dass ihre Kinder ab 27. April wieder in die Schule gehen. Diese Eltern mussten jetzt kurzfristig für Kinderbetreuung sorgen und ihren Berufsalltag neu organisieren, eine Zumutung, die man ihnen hätte ersparen können“, klagt Heidt-Sommer.

„Die Landesregierung wäre klug beraten gewesen, den Schulstart frühzeitig mit klaren Ausführungsbestimmungen zu hinterlegen und z.B. die Voraussetzungen zu schaffen, dass für die angeordneten Hygieneregeln dann auch die Materialien zur Verfügung stehen. Stattdessen haben teils widersprüchlichen Verlautbarungen zu großer Verunsicherung geführt", kritisiert der Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher die Landesregierung.

Lehrerinnen und Lehrern haben nun zu organisieren, dass eine Beschulung mit den Kernfächern wie Deutsch und Mathematik in zwei oder mehr Klassenräumen gleichzeitig durchgeführt werden kann und haben dabei darauf zu achten haben, das Grundschulkinder und Pubertierende jederzeit das Abstandgebot von 1,5 Metern einhalten. Seit Wochen forderten sie, vor ihrer Rückkehr in die Schulen als systemrelevant eingestuft zu werden, damit sie für ihre Kinder eine Betreuung in den Notgruppen der Kitas wahrnehmen dürfen. Erst am Freitagvormittag hat die Landesregierung das endlich zugesagt.

Erst seit Mittwoch, dem 22. April gab es für die Schulen einen Hygieneplan zur Eindämmung des Corona-Virus, den die Schulträger und Schulleitungen dann bis zur Wiederöffnung umsetzen mussten. Andernfalls müssen Schulen zunächst noch geschlossen bleiben. Ohne ausreichend Waschbecken, Seife, Einmalhandtücher und Desinfektionsmittel kann es keine Schulöffnung geben, unterstreichen Becher und Heidt-Sommer. Das Land sei gefordert, die Schulträger dabei gezielt zu unterstützen anstatt die Verantwortung dorthin zu schieben.

Lange unklar war die Frage nach einer Maskenpflicht in der Schule. Sehr früh hat sich allerdings die Notwendigkeit für Alltagsmasken bei der Schülerbeförderung abgezeichnet. Als endlich die Nachricht aus dem Kultusministerium kam, dass für die Schülerinnen und Schüler Masken zur Verfügung gestellt werden, hatte der Landkreis Gießen als Schulträger der Schulen im Kreisgebiet für seine Schulen bereits Masken gekauft. "Es ist eine richtige Maßnahme des Kultusministeriums, die aber deutlich zu spät gekommen ist. Nun ist das Land gefordert, die Schulen zusätzlich mit Fiebermessgeräten zu versorgen", fordert der Landtagsabgeordnete Becher. Darüber hinaus sei auch die Frage nach der Nachmittagsbetreuung in Grundschulen noch offen. Die Notwendigkeit, Betreuung länger als 13 Uhr anzubieten, wenn die Schule wieder startet, bestehe dringend, ergänzt Becher.

"Die Corona-Krise stellt das komplette hessische Schulsystem vor große und bisher unbekannte Herausforderungen und weder der Kultusminister, noch die Schuldezernenten der Städte und Landkreise oder die Schulleitungen sind darum zu beneiden, in dieser Zeit für den Unterricht und die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler gleichzeitig sorgen zu müssen. Es wäre allerdings nötig gewesen, die Möglichkeit der Notbetreuung in Kitas für Lehrerkinder früher einzuräumen, die schulischen Hygienepläne deutlich früher herauszugeben und deren Umsetzung zu unterstützen und den Schulneustart gegebenenfalls noch weiter nach hinten zu verschieben. So erschwert das Kultusministerium allen Beteiligten die Arbeit“, ziehen Becher und Heidt-Sommer ein Fazit.